Author Archives: Steffen Pfeiffer

Lieber Leser

Willkommen bei WALK4WATER2.EU. Die Seite für die Pilgerprojekte rund um Wasser als Lebensrecht befindet sich in Umgestaltung. Mit der Bitte um Verständnis, dass „alte“ Inhalte nachgeliefert werden und „neue“ Inhalte demnächst publiziert werden sage ich schon mal DANKE.

Steffen A. Pfeiffer
Wasserpilger

Abfahrt zum Pilgern

Auf dem Weg

Zweckoptimismus

Etwas frz. Landschaft

Mit der Wendung des Geschäftlichen war bei mir nur noch ein taubes Gefühl im Kopf. „Ist das wirklich mir passiert?“ war noch eine der harmloseren, selbstkritischen Fragen. Nachdem ich 3 Nächte im Schanzenviertel, bei einem Freund, übernachten konnte, war ich am 31.05.2010 bei der Bank, holte die komplette Schnell-Überweisung der Stadt Reinbek und füllte erstmal den Tank meines Autos. Ziel ungewiss, nur irgendwie weg. Der Bekannte vermutete mich auf spontaner Wohnungs- bzw. Unterkunftssuche. Ich fuhr nach HH-Wandsbek zum Militaria-Laden. Rüstete mich mit einem 90 Liter Luftlanderucksack der US Armee und Imitaten von britischen Militärstiefeln aus. Das war, was ich mir dachte – sollte reichen für einen möglichen Pilgerweg. Ob ich nun gehen sollte oder nicht, ließ ich das Schicksal halbwegs entscheiden.

Und die Entscheidung fiel auf der Autobahn, auf dem Weg raus aus Hamburg. Über die A7 ging es südwärts, eigentlich Richtung Heimat – oooooder … ich fuhr in Hamburg-Neuland von der Autobahn und dort erst zum größten Bäcker im Industriegebiet, für einen Kaffee vor der langen Fahrt. Ausserdem war die Arbeitsstelle meiner (jetzt) Ex-Partnerin, aus Reinbek, dort. Ich fuhr unter das Fenster ihrer Firma, schickte eine SMS. Sie schaute aus dem Fenster und meinte mir die Order geben zu müssen: „Ich erwarte, dass Du nach Hause fährst. Weil Du bist bei mir gemeldet und meldest Dich sofort um. Nicht dass Dir irgendwo was passiert und die Polizei kommt zu mir. … Hab ich keinen Bock drauf.“

Mit den lieben Grüßen im Gepäck fuhr ich nochmals zum Bäcker, holte mir Proviant für unterwegs und fuhr weiter. Einige Kilometer später teilt sich die Autobahn Richtung Hannover auf der A7 bzw. über die A28 über Bremen und dann weiter Saarbrücken. Beim Bäcker noch auf die Europakarte geschaut, sah ich, wie magisch, einen durchgehenden Weg bis Lourdes und weiter nach Saint-Jean-Pied-de-Port. 2.000 Kilometer glatt über Autobahn, Bundes- und Landstrassen. Und fuhr los. Einen Kilometer vor der Abzweigung entschied ich mich für die „Ich bin dann mal weg-Variante“ und fuhr gen Bremen. Und schaffte es sogar, dass Familie und Freunde bis einschließlich 03.06. (Fronleichnam) nichts mitbekamen. Dort meldete ich mich dann von der Grenzautobahnraststätte „Goldene Bremm“ telefonisch, nachdem ich noch in Saarbrücken im Waschsalon meine Wäsche gewaschen und getrocknet hatte, die im Auto blieb.

Mit 2 Tankfüllungen, bei einem Benziner für ich dann durch bis Lourdes, wo ich am 05.06.2010 ankam und bis 07.06.2010 blieb. Frischwasser an der Basilika inklusive …

Fahrroute

Der Start ins Pilgerleben

Nach Pfingsten kam dann immer noch kein Anruf, für den Termin, der in Lübeck für den Photovoltaik-Vertrag sein sollte. Da das Projekt jedoch noch im Sommer starten sollte, war ein Vertrag zu Ende Mai 2010 notwendig. Ich wartete bis 25.05.2010 mit dem Anruf meinerseits. Doch der Partner ließ sich verleugnen – wie sich später herausstellte. Mit der Prämisse tags darauf erneut einen Anlauf zu nehmen, telefonierte ich dann in komischer Vorahnung mit dem Vertrieb des PV-Modul-Herstellers in Süddeutschland zuerst.

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Die schlimmsten Vorahnungen bestätigten sich, denn der Partner hatte eigenmächtig, mich und den Hersteller umgehend, noch einen anderweitigen Vorkontrakt auf PV-Module. Zwei weitere Versuche diesen Partner zu erreichen schlugen fehl. Und so ging es bis Donnerstags. Die Versuche und Bemühungen zu retten was zu retten war. Immerhin hing eine höhere sechsstellige Provisionssumme an dem Auftrag. Erste Kontaktaufnahmen zu einem Fachanwalt verhießen, dass mein „Worst-Case-Szenario“ eintreffen sollte. Der Vorvertrag des Partners, den er hatte, war gültig. Ein Detail, das er mir verschwiegen hatte. Juristisch wäre zwar etwas machbar gewesen. Doch bis es zu Verhandlung usw. gekommen wäre, war ich fertig. Mental und auch geschäftlich.

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Ich hatte insgesamt 4 Monate für Planung und Projektierung eines Photovoltaik-Projektes eingesetzt, bin nach Norddeutschland gezogen und habe dabei dann (fast) alles verloren, was zu verlieren ging. Mit der Nachricht auf dem Zettel flog ich dann noch bei der Partnerin, zu der ich nach Norddeutschland zog, prompt aus dem Haus und übernachtete im Auto, das mir offiziell nicht gehörte, sondern meinen Eltern. Bei diesen beiden Menschen, die immer zu mir hielten – und das auch in den schwersten Zeiten, muss ich mich an dieser Stelle und von vornherein extra besonders bedanken. Ohne sie gäbe es mich vielleicht nicht mehr.

Vor den Trümmern meiner Selbständigkeit, wie ich sie bis dahin kannte, stand ich dann am 27.05.2010 morgens in Hamburg-Moorwerder, beim Naturschutzgebiet an der Elbe, mit dem Auto. Meine Habseligkeiten in Kofferraum und auf Rückbank verstaut, verbrachte ich dort die erste von mehreren Nächten bis Saint-Jean-Pied-de-Port. Allerdings mit grade noch 10 Euro in der Tasche drehte ich dann nochmals gen Hamburg um und sah irgendwie zu, Geld zu bekommen, um den Monat zu überstehen. Hier halfen dann die Behörden weiter, die mir – um mir noch den Juni zu ermöglichen, mit Sozialhilfe aushalfen. Das Geld angewiesen, sollte es Montag den 31.05. auf dem Girokonto sein.

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne … 2010

Viele Menschen vernehmen den Ruf, irgendwann in ihrem Leben zu pilgern. Sei es die Via Francigena, sei es der Jakobsweg, sei es der Olavsweg. Italien, Spanien, Frankreich, Norwegen, Schweiz … oder auch einfach beginnend irgendwohin, ab der eigenen Haustüre. Und wenn dieser Ruf kommt, kommt er aus den unterschiedlichsten Gründen. Über die diversen Kategorien auf dieser Webseite erzähle ich Geschichten vom Pilgern, Menschen, Etappen und den Gründen, warum ich 7 Jahre später immer noch pilgere.

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Dies hat einen Grund. Dieser Grund jedoch kam „erst“ auf dem zweiten Pilgerweg. Doch dies erzähle ich an einer anderen Stelle. Denn in diesem ersten Artikel geht es um meinen Ruf zum Camino und meine Geschichte soll aus der Sicht des vergangenen Jetzt, Schritt für Schritt, erzählt werden. Um mich mit den Daten richtig zu erinnern, ist das Publikationsdatum das Datum der jeweiligen Ereignisse.

Und das erste Ereignis zum Camino traf, fast schleichend zu Pfingsten 2010 ein – also gut eine Woche vor Abfahrt und Abmarsch. Und meine Geschichte beginnt in Schleswig-Holsten.

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4 Monate vor Pfingsten 2010 bin ich – aus geschäftlichen und privaten Gründen nach Norddeutschland gezogen (erneut). Es war die ausklingende Zeit der Rendite in Erneuerbaren Energien. Und ich dachte dort mit Photovoltaik-Geschäften etwas verdienen zu können. Was auch gut begann, denn mit einem Partner aus Lübeck hatte ich die Möglichkeit eine PV-Anlage im Mehr-Megawatt-Bereich zu konzipieren und zu projektieren. Pfingsten 2010 wartete ich auf den Anruf des Partners, um den Vertrag für die Module zu machen. Und da ich meine Söhne auch über Wochen nicht gesehen habe, fuhr ich sie – unweit von Reinbek, wohin ich umgezogen bin, sie besuchen. Bei schönen Wetter wurde in der Eider geangelt. Und wir hatten einfach zwei schöne Tage. Übernachtet wurde von mir im Auto. Meine Söhne schliefen zuhause – ich holte sie morgens wieder ab und dann ging es wieder irgendwo entlang Deich, Eider und Nordsee zum Angeln.

Eins jedoch blieb aus … und das war der Anruf vom Partner.